Forschungskooperation mit Kuba
Das Studierendenparlament des KIT solidarisiert sich mit der kubanischen Bevölkerung,
insbesondere mit den kubanischen Studierenden, deren Recht auf Bildung und ein würdiges
Leben infolge der seit über sechs Jahrzehnten andauernden, völkerrechtswidrigen Blockade gegen Kuba massiv eingeschränkt wird. [1]
Zuletzt wurde diese durch Maßnahmen der Trump-Administration im Februar diesen Jahres weiter verschärft.
Die Blockade hat zu einer schweren Energie- und Versorgungskrise geführt, die auch den
Bildungsbetrieb unmittelbar betrifft: Schulen und Universitäten sind von Stromausfällen, Ressourcenknappheit und erheblichen Einschränkungen im Lehr- und Forschungsbetrieb betroffen. [2]
Das Studierendenparlament fordert das KIT dazu auf, seinen möglichen humanitären Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten, indem es Forschungskooperationen mit
Universitäten in Kuba anstrebt.
Insbesondere werden die studentischen Vertreter*innen im Senat sowie in weiteren universitären Gremien dazu angehalten, sich für entsprechende Kooperationen einzusetzen – vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien und Energiespeichertechnologien, da diese sowohl für die humanitäre Lage als auch für Nachhaltigkeitsziele von zentraler Bedeutung sind.
Dabei empfiehlt es sich insbesondere, Kooperationen mit Universitäten einzugehen, die Mitglied im „Grupo Nacional de Universidades para las Fuentes Renovables de Energía y la Eficiencia Energética“ (GNUFRE) sind – der Nationalen Hochschulgruppe für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss kubanischer Universitäten, die zu technologischer Entwicklung im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz forschen.
An diesem Forschungsverbund beteiligt sind unter anderem:
• Universidad Central “Marta Abreu” de Las Villas
• Universidad Tecnológica de La Habana “José Antonio Echeverría” (CUJAE)
• Universidad de La Habana
• Universidad de Oriente
• Universidad de Cienfuegos “Carlos Rafael Rodríguez”
• Universidad de Sancti Spíritus “José Martí Pérez”
• Universidad de Matanzas [3]
[1] https://www.vdj.de/beitrage-aktuelles/urteilsgrunde-des-internationalen-...
[2] https://www.berliner-zeitung.de/article/kuba-streicht-uni-aufnahmepruefu...
[3] https://www.mes.gob.cu/wp-content/uploads/2024/12/Resolucion-662019_GNUF...
Trotz erheblicher äußerer Widerstände verfügt Kuba über ein international anerkanntes Bildungssystem. Nach Angaben des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ist Bildung in Kuba vom Kindergarten bis zur Promotion kostenfrei und wird als grundlegendes Menschenrecht verstanden, das keiner Kommerzialisierung unterliegen darf.
Mit Investitionen von rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung liegt Kuba weltweit an der Spitze. Zudem ist Kuba das einzige Land Lateinamerikas, das die Ziele des UNESCO-Programms „Education for All“ vollständig erreicht hat.
Kuba beschränkt sich dabei nicht auf die Rolle eines Empfängers internationaler Solidarität, sondern gestaltet diese aktiv mit: Tausende Studierende aus Afrika und Lateinamerika erhalten in Kuba kostenfreie Ausbildungsplätze.
Auch hunderte palästinensische Studierende absolvieren derzeit ein kostenloses Medizinstudium an der Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin, um anschließend Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland medizinisch versorgen zu können. [4]
Vor diesem Hintergrund erscheint eine Kooperation zwischen dem KIT und kubanischen Hochschulen nicht als einseitige Unterstützung zur Sicherung des Rechts auf Bildung in Kuba, sondern als Ausdruck eines gleichberechtigten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Austauschs.
Das KIT ist eine der größten technischen Universitäten Deutschlands mit umfangreichen Forschungskapazitäten – auch in Bereichen wie Energie- und Nachhaltigkeitsforschung. [5]
Kuba steht durch die erzwungene Energiekrise vor der dringenden Herausforderung, langfristig unabhängige und nachhaltige Versorgungsstrukturen aufzubauen.
Forschung zu erneuerbaren Energien, Energiespeicherung und resilienten Infrastrukturen kann hierzu einen konkreten Beitrag leisten – und umgekehrt eröffnen die spezifischen gesellschaftlichen und infrastrukturellen Bedingungen Kubas neue Perspektiven für das KIT.
Zudem bietet eine Forschungskooperation mit Kuba die Möglichkeit, gemeinsam an globalen Nachhaltigkeits- und Klimaschutzzielen zu arbeiten. Viele Länder des Globalen Südens stehen vor der Herausforderung, wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung voranzutreiben, ohne dabei die Fehler stark emissionsintensiver Entwicklungsmodelle zu wiederholen.
Gleichzeitig ist eine industrielle Entwicklung notwendig, um Armut zu überwinden und die Lebensbedingungen der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.
Wenn es gelingt, in Kuba Wege zu einer sozial gerechten, CO₂-armen und nachhaltigen Industrialisierung zu entwickeln, könnten die dabei gewonnenen Erkenntnisse auch für andere Länder in vergleichbaren Situationen von großer Bedeutung sein.
Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit eröffnet damit nicht nur Chancen für beide Partnerinstitutionen, sondern kann auch einen Beitrag zu globalen Lösungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung leisten.
Derzeit bestehen keine öffentlich bekannten Kooperationen des KIT mit kubanischen Hochschulen, obwohl andere deutsche Universitäten bereits wissenschaftliche Partnerschaften mit Kuba unterhalten. [6]
Internationale Zusammenarbeit stärkt Völkerverständigung, interkulturellen Austausch und globale Solidarität. In Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen – und angesichts konkreter militärischer Drohungen der USA gegen Kuba – sollten Hochschulen Räume für Kooperation und nicht für Abschottung schaffen.
Das Studierendenparlament spricht sich daher dafür aus, dass das KIT die Möglichkeiten wissenschaftlicher Kooperationen mit Kuba aktiv prüft, entsprechende Initiativen unterstützt und damit ein sichtbares Zeichen internationaler Solidarität setzt.
[4] https://www.daad.de/de/laenderinformationen/amerika/kuba/ueberblick-bild...
[5] https://www.kit.edu/themen/energie.php
[6] https://tinyurl.com/229kjwkd