Werbung von Bundeswehr und Rüstungskonzernen einschränken
Das Studierendenparlament spricht sich gegen Werbung der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie auf dem Campus aus. Das Studierendenparlament beauftragt den Vorstand, auf das KIT, das Studierendenwerk und andere Werbetreibende oder Veranstalter*innen auf dem Campus zuzugehen, um diese Werbung auf unserem Campus zu verhindern. Dies soll noch vor der nächsten Karrieremesse geschehen, die vom 19. - 20. Mai 2026 stattfindet. Weiterhin spricht sich das Studierendenparlament auch insbesondere gegen die Werbung der Bundeswehr in der Mensa am Adenauerring aus.
1. Der Campus soll ein Ort sein, an dem gemeinsames Lernen, Kultur und allgemein das studentische Zusammenleben möglich sein soll und sich alle wohl und willkommen fühlen. Wir leben in sehr schwierigen Zeiten mit viel Krieg und internationalen Konflikten. Wir können nicht ausblenden, dass wir viele internationale Studierende an unserer Universität haben, die einerseits konkret wissen, was Krieg bedeutet, weil sie selbst aus Kriegsgebieten geflohen sind und Familienmitglieder haben, die aktuell noch unter Krieg leiden. Andererseits sind sie in ihrer Heimat z.B. auch vom Zwang zum Militär betroffen. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass alles, was diese Studierenden in ihrem Alltag an diese furchtbaren Dinge erinnert, reduziert wird, damit sie sich nicht unwohl fühlen oder im schlimmsten Fall retraumatisiert werden. Das Referat für Chancengleichheit berichtet bereits von Anfragen von Studierenden, ob der AStA etwas gegen diese Werbung machen kann. Konkret ging es dabei um Werbung im Sportinstitut. Weiterhin erkennt auch das KIT diese Belastung explizit an. In einer Rundmail vom 12. März 2026 mit dem Betreff „Support for Students Amid Current Events in the Middle East“ betonte das Präsidium, dass das KIT als internationale Institution verstehe, wie belastend, ablenkend und emotional herausfordernd die aktuelle Situation für viele Studierende sei. Dass das KIT Betroffene aktiv dazu aufruft, die Hilfe der Psychotherapeutischen Beratungsstelle (PBS) in Anspruch zu nehmen, unterstreicht, dass diese psychischen Belastungen eine reale Hürde für den Studienalltag darstellen.
2. Es gibt gute Gründe, Krieg nicht zu normalisieren. Die Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen oder in der Rüstungsindustrie zu arbeiten, ist qualitativ eine andere als die Entscheidung für einen anderen Arbeitgeber. Auch wenn wir nicht verhindern können, dass Studierende diese Entscheidung treffen, sollte sie nicht auf Grundlage von positiven, geschönten Werbebildern getroffen werden, sondern
auf einer nüchternen Abwägung. Zur Erinnerung: Die Bundeswehr stellt Krieg gerne als eine Art cooles Videospiel oder OutdoorErlebnis dar. Auch Unternehmen der Rüstungsindustrie stellen sich oft beschönigend dar. So betonte Thyssenkrupp beispielsweise auf der letzten Karrieremesse immer wieder, sie würden „nur U-Boote bauen“.
3. Die Normalisierung von Krieg und das Narrativ der vermeintlich notwendigen Aufrüstung führen dazu, dass öffentliche Gelder primär für Militär und nicht mehr für eigentlich notwendige soziale Sicherung und Leistungen für alle Menschen genutzt werden. Das trifft Studierende besonders hart (z. B. fehlende Mittel für Kommunen, öffentliche Infrastruktur wie ÖPNV oder Wohnungsbau). Ebenso betreffen uns Sparmaßnahmen im Bildungssektor, die unsere Ausbildung und deren Bedingungen verschlechtern. Wir sollten uns für die Interessen der Studierenden einsetzen. Diese können nicht darin liegen, diese Normalisierung und das Aufrüstungsnarrativ mitzutragen, das dazu führt, dass sich ihre eigenen Lebensbedingungen verschlechtern.
4. Fehlender Vorteil: Weder die Bundeswehr noch große Rüstungskonzerne sind unbekannte Nischenunternehmen. Den allermeisten Studierenden ist bekannt, dass sie dort potenziell arbeiten können. Die Werbung zeigt Studierenden keine neue Möglichkeit. Selbst wenn die hier aufgeführten Nachteile überschätzt sein sollten, gibt es keinen direkten Vorteil, der diese ausgleicht. Es ist ein unnötiges Risiko, diese Werbung zuzulassen.